AjBD - Arbeitsgemeinschaft für juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen - Deutschsprachige Sektion der International Association of Law Libraries

AH 26 – Henschel: Der Richter und sein Lenker

Ulrike Henschel:
Der Richter und sein Lenker
Zur Geschichte, Systematik und Bedeutung juristischer Literatur

(= Arbeitshefte der Arbeitsgemeinschaft für juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen 26)
Düns/Feldkirch: W. Neugebauer, 2018. 238 S.

ISBN: 978–3‑85376–326‑1
L: 30,00 EUR [D und A]

Abstract:

Juristische Literatur ist eines der traditionsreichsten und umsatzstärksten Segmente des Fachbuchbereichs. Die heute selbstverständlich scheinende Ausdifferenzierung der rechtswissenschaftlichen
Veröffentlichungen von der Textsammlung über den Kommentar bis hin zu Formularhandbüchern oder Knowledge-Management-Lösungen ist dabei das Ergebnis rechtlicher und verlegerischer Innovationen ebenso wie von Kontroversen und Krisen. Zu den Facetten des juristischen Publikationswesens gehören die Kritik an ihrem Einfluss – die dem Kommentarautor zumisst, er sei der wahre Lenker des Richters – ebenso wie Zusammenhänge und Zufälle, die ganze Fachverlagsdynastien entstehen und vergehen ließen. Die Funktionen und Merkmale der zahlreichen verschiedenen juristischen Publikationsarten erschließen sich anhand der gesellschaftlichen und verlegerischen Rahmenbedingungen, die ihre Entstehungsgeschichte geprägt und sie im Rechtswesen etabliert haben.

Vorliegender Band der AjBD-Schriftenreihe zeichnet die Entwicklungslinien der einzelnen juristischen Publikationsarten und Ausgabeformate nach, erklärt die Bedingungen ihres Entstehens und die Veränderungen im historischen Kontext.

Die Autorin

Dr. Ulrike Henschel
Die Verbindung zwischen Rechtswesen und Verlagswirtschaft ist nicht nur das Thema dieses Buchs, sondern begleitet auch die Vita der Autorin Ulrike Henschel: Nach Buchhändlerlehre in Münster, Jura-Studium in Heidelberg und München und Anwaltszulassung war sie als Lektoratsleiterin in einem juristischen Fachverlag tätig und ist heute Geschäftsführerin und Verlagsleiterin eines Tochterunternehmens der Gruppe C. H. Beck. Mit der Geschichte des juristischen Verlagswesens befasste sie sich in einer buchwissenschaftlichen Dissertation in Mainz. Sie ist Mitglied der Kommission Smart Data der Deutschen Fachpresse und korrespondierendes Mitglied der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis — AH26

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Rezensionen

Henschels interessantes und anregendes Buch bietet sowohl dem juristischen Laien als auch Experten der Rechtsinformations-Branche umfassende und informative Einblicke in die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung aller juristischen Publikationsformen und schließt damit eine Lücke in der Fachliteratur“.

Anne Jacobs in b.i.t.Online 22 (2019) Nr. 4, S. 356 (https://www.b‑i-t-online.de/pdf/bit/bit2019‑4.pdf Premium-Angebot!)

Es gibt gute und schlechte Bücher. Für diese Systematik lassen sich vermutlich auch ein paar objektivierbare Kriterien finden, ausschlaggebend bleibt jedoch ein subjektives Werturteil: Gute Bücher liest oder benützt man mit persönlichem Gewinn, bei schlechten Büchern ist das nicht der Fall. Das hier zu besprechende Buch zwingt den Rezensenten aber förmlich dazu, die eingangs genannte Differenzierung durch eine noch persönlichere Kategorie zu ergänzen: Es gibt Bücher, die sind so gut, dass man sie gerne selbst geschrieben hätte. Dabei geht es dann nicht mehr nur um eine Form von Nützlichkeit, sondern um einen Gefühlstaumel zwischen Begeisterung und neidvoller Wehmut. In einem solchen Zustand hat der Rezensent dieses Buch gelesen und die vorliegende Besprechung verfasst.

… Ungeachtet der genannten Kritikpunkte lässt man das Buch am Ende der Lektüre begeistert, ja fast berauscht sinken – eine solche „Fachkunde“ juristischen Publikationswesens hat es eigentlich noch nicht gegeben. Das Werk vermittelt eine Unzahl neuer Einsichten und Anregungen: Viele Fakten waren dem Rezensenten neu …, vieles liegt zwar auf der Hand, hat man aber selbst noch nie so richtig durchdacht – das Exemplar des Rezensenten ist mit Einlegezetteln gespickt.

Auch diese Besprechung kehrt, angeregt von Henschels Vorbild, zu ihrem Anfang zurück.  Ein Buch, von dem anzunehmen ist, dass es wohl jeder mit Gewinn liest, ist zweifellos ein wirklich gutes Buch! Ihm ist eine weite Verbreitung in Juristen- und Bibliothekarskreisen sowie eine (idealerweise durchgesehene, auch Österreich und die Schweiz stärker berücksichtigende) Neuauflage bzw. Fortsetzung zu wünschen.“

Gerald Kohl, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 2019–1, S. 46–51.

Neben den Bedingungen des Entstehens der unterschiedlichen Veröffentlichungsformate werden ihre Veränderungen im historischen Kontext nachgezeichnet und in ihrer Bedeutung für die Wissenschaft und Rechtspraxis gewürdigt. … Dabei gelingt es, in der scheinbar trockenen Materie durchaus auch manche uberraschenden und unterhaltsamen Aspekte zu erschließen.“

Fachbuchjournal Juni/ Juli 2019, S. 17.